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Klimaschutz und Wirtschaftswachstum – zwei Gegensätze?

Um die Klimaschutzziele zur erreichen, warten viele Unternehmen nicht auf gesetzliche Richtlinien, sondern ergreifen selbst die Initiative.

Klimaschutz und Wirtschaftswachstum – zwei Gegensätze?

Um die Klimaschutzziele zur erreichen, warten viele Unternehmen nicht auf gesetzliche Richtlinien, sondern ergreifen selbst die Initiative.

Der Klimawandel hat eine große Relevanz sowohl in unserer Gesellschaft als auch in der Wirtschaft. Dabei ist die Frage längst nicht mehr, ob Unternehmen nachhaltig sind, sondern wie die Nachhaltigkeit umgesetzt wird.

Die Ziele der Bundesregierung sind hochgesteckt. Bis 2045 soll unsere Wirtschaft klimaneutral werden. Vor allem die industriellen und energieintensiven Branchen sollen dabei eine Schlüsselrolle spielen.

Umweltschutz gleich Wachstumsbremse?

Jahrelang galten deutsche Industriekonzerne als Bremser des Klimaschutzes, die umweltfreundliche Investitionen scheuten. Dabei ist der Industriesektor nach der Energieerzeugung der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen.

Doch diese Ansicht ist mittlerweile sehr überholt. Im Jahr 2019 investierten deutsche Unternehmen fast 3,5 Milliarden Euro in den Klimaschutz – doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Hauptsächlich wurde damit der Ausbau Erneuerbarer Energien finanziert, ein Drittel aller Investitionen floss außerdem in die Einsparung von Energie sowie in die Energieeffizienz.

Viele Unternehmen warten nicht auf die gesetzlichen Vorgaben der Regierung, sondern leisten Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Schon aus wirtschaftlichen Eigeninteressen treiben vor allem energieintensive Branchen die Entwicklung und Optimierung nachhaltiger Prozesse voran. Aber auch verbraucherorientierte Konzerne haben die Notwendigkeit erkannt, wie man am Beispiel von Aldi sehen kann. Die Supermarktkette hat vergangenen Sommer verkündet, bis 2030 sämtliches Frischfleisch aus den Haltungsstufen 1 und 2 aus dem Sortiment zu verbannen und löste damit eine Kettenreaktion aus. Nahezu alle großen Lebensmittelketten zogen nach. Ob es ihnen wirklich um den Klimaschutz geht oder nur um das Image, wird sich vermutlich noch herausstellen.

Laut einer Studie von McKinsey müssen in den nächsten Jahren rund 6 Billionen Euro in verschiedenen Bereichen investiert werden, um Deutschland klimaneutral zu machen. Klar, das ist viel Geld. Auf der anderen Seite wächst der Bedarf an nachhaltigen Spitzentechnologien weltweit exponentiell. Wer auf diesem Gebiet frühzeitig Innovationen vorantreibt, kann langfristig profitieren.

Schluss mit Lippenbekenntnissen

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Die Politik spricht zwar davon, Vorreiter in Sachen Umweltschutz zu werden. Jedoch, es fehlen die richtigen politischen Rahmenbedingungen. Was wir brauchen, ist eine integrierte Klimaschutz- und Industriepolitik.

Mehr Tempo beim Klimaschutz wünscht sich auch der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) schon lange. Denn sonst besteht die Gefahr, dass wir international den Anschluss verpassen und somit nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Konkret fordert der BDI ein Infrastruktur-Programm mit besseren Stromnetzen, mehr Wind- und Solarparks, Wasserstoffkapazitäten und einem dichten Netz an Elektroladesäulen.

Auch die Stiftung KlimaWirtschaft fordert eine forcierte Umsetzungsoffensive für Klimaschutz und konkrete Maßnahmen. Die Zeit der Lippenbekenntnisse ist endgültig vorbei. Klimaneutralität soll zum Markenzeichen der deutschen Wirtschaft werden.

Denn unterm Strich kurbeln Klimaschutzmaßnahmen letztendlich auch das Wirtschaftswachstum an. Eine Auswertung des Environmental Performance Index (EPI) aus dem Jahr 2020 zeigt, dass ein positiver EPI eng mit dem wirtschaftlichen Wohlstand eines Landes verbunden ist.

Wenn man sich natürlich nur auf die Umsätze fokussiert, sind Länder mit geringen Umweltauflagen die größeren Gewinner. Doch der wirtschaftliche Schaden, der durch den Klimawandel entsteht, kostet Billionen. Strenge Auflagen zwingen Unternehmen zudem zu Innovationen, um beispielsweise effizientere Prozesse zu entwickeln und so die Kosten zu reduzieren.

Verschiedenen Berechnungen zufolge, reduziert ein globaler Anstieg der Temperatur um 0,4 ° C jährlich das globale BIP bis zum Jahr 2100 um etwa 7,22 %. Werden die Ziele des Pariser Klimaabkommens hingegen eingehalten, reduziert sich das BIP um lediglich 1,07%.

Klimaschutz muss wirtschaftlich attraktiver werden

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Laut Klimaschutzplan muss vor allem der Industriesektor bis 2030 seinen CO₂-Ausstoß im Vergleich zu 1990 halbieren. Das Problem ist jedoch, dass die Emissionen seit 2009 praktisch nicht mehr gesunken sind.

Dabei sind die wesentlichen Maßnahmen klar: Wir brauchen eine Steigerung der Energieeffizienz, einen grundlegenden Paradigmenwechsel bei der Kreislaufwirtschaft, eine Umstellung auf klimafreundliche und klimaneutrale Prozesse sowie eine Möglichkeit, um CO₂-Emissionen abzuscheiden, zu speichern und wiederzuverwenden.

Die Anstrengungen in der Etablierung neuer Verfahren und Prozesse werden am Ende mit wirtschaftlichen Vorteilen belohnt. Allein im Baugewerbe, der erneuerbaren Energieerzeugung und im Dienstleistungsgewerbe werden in den nächsten 20 Jahren zahlreiche neue Arbeitsplätze entstehen, die auf umweltfreundliche Innovationen zurückzuführen sein werden.

So geschehen im Beispiel der Solarenergie. Noch vor 20 Jahren war diese neue Technologie wirtschaftlich kaum rentabel und viel zu teuer. Heute gehört sie zu den billigsten Energiequellen und findet selbst in Ländern Anwendung, die kaum Klimaschutzpolitik betreiben.

Was tut die Wirtschaft heute?

Je nach Branche und Größe des Unternehmens fällt die CO₂-Bilanz in jedem Betrieb anders aus. Der so genannte Corporate Carbon Footprint (CCF) lässt sich in drei unterschiedliche Quellen einteilen. Zum einen gibt es die direkten Emissionen, die beispielsweise durch die firmeneigenen Fahrzeugflotte verursacht werden. Daneben erzeugt jedes Unternehmen indirekte Emissionen, wie der Stromverbrauch des Firmengebäudes. Und schließlich gibt es die indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Wer seinen ökologischen Fußabdruck kennt, kann sinnvolle Maßnahmen etablieren, um ihn zu minimieren.

Laut einer Studie von Deloitte fehlt vielen Entscheidern jedoch ein tiefergehendes Verständnis für die Risiken des Klimawandels, sodass die Maßnahmen aktuell noch eher kurzfristig ausfallen. Dafür wurden über 1.100 CFOs in ganz Europa befragt. Heraus kam, dass der größte Handlungsdruck zur Veränderung immer noch von Kunden und dem Top-Management ausgeht. Die wenigsten Unternehmen orientieren sich dabei am Pariser Klimaabkommen.

Die konkreten Maßnahmen setzen sich dabei zusammen aus der Steigerung der Energieeffizienz (70 %), dem Einsatz klimafreundlicher Prozesse und Maschinen (47%), der Verschiebung des Energiemixes in Richtung Erneuerbare Energien (40%) und dem Entwickeln neuer klimafreundlicher Produkte und Services (31%).

Fazit

Der Klimawandel birgt viele Risiken, seine Auswirkungen wie Versorgungsengpässe, Störungen in den Lieferketten und Schäden an Produktionsstätten durch beispielsweise Stürme und Überschwemmungen verursachen enorme Kosten.

Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen schützen nicht nur vor den negativen Folgen, sondern bieten Unternehmen auch zahlreiche neue Chancen. So führt die Steigerung der Energieeffizienz zu Kostensenkungen, mit innovativen Prozessen sind Unternehmen aber auch unabhängiger von den Preisschwankungen fossiler Brennstoffe und es eröffnen sich komplett neue Marktchancen.

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Olga Wiesner

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