„Kontrolle ist gut – Vertrauen ist besser!“ Andreas C. Fürsattel im Portrait

von Anja Drescher
Andreas C. Fürsattel - Talk-Gast bei dem UnternehmerTALK "Führungskultur neu denken"

„Wenn ich ein Lebensmotto für mich benennen sollte,  dann dieses“, meint Andreas C. Fürsattel schmunzelnd auf die Frage, warum er sein neues Buch „Die Vertrauensstrategie“ genannt hat. Die Umkehrung des bekannten – fälschlicherweise Lenin zugeschriebenen Zitats – ist nicht nur der inoffizielle Titel des Business-Romans, es trägt den 55-Jährigen auch durch den Alltag, egal ob er in seinen Seminaren Führungsprinzipien erläutert, mit seinem Team arbeitet oder mit einem seiner drei Kinder spricht. „Dabei habe ich im Laufe meiner Karriere durchaus lernen müssen, dass Vertrauen auch missbraucht werden kann“, fährt er nachdenklich fort. Aber der Reihe nach:

Andreas C. Fürsattel wurde 1967 als jüngster Sohn einer Unternehmerfamilie in Nürnberg geboren. Er begann seine Karriere im Vertrieb. Bereits in jungen Jahren baute er ein Verkaufsteam mit mehr als 600 Mitarbeitern im deutschen Finanzsektor auf und leitete es erfolgreich. Mit gerade einmal 26 Jahren gründete er eine regionale europäische Fluggesellschaft. „Mein persönliches Highlight dieser Zeit: Ich durfte Michail Gorbatschow bei seinem Deutschlandbesuch befördern“, erzählt er lachend. „Dann allerdings wurde mir mein Vertrauen zum Verhängnis. Ich habe auf mündliche Zusagen für Fördergelder vertraut, doch plötzlich stand ich mit leeren Händen da und musste die Fluggesellschaft liquidieren. Es gelang mir zwar, alle Mitarbeiter anderweitig unterzubringen und mit den Banken einen Vergleich zu schließen, aber ich selbst war an einem Tiefpunkt in meinem Leben.“ Heute sieht Fürsattel seinen Fehler als Wachstumsschritt. Seitdem legt er Wert darauf, Wichtiges immer schriftlich zu vereinbaren.

Loslassen und neu starten

„Der Tiefpunkt wurde der Startpunkt für eine komplette Neuorientierung“, resümiert Fürsattel. „Ich nahm mir eine Auszeit, fing an zu malen und überlegte, was ich im Leben erreichen und womit ich mich nach dieser Erfahrung beschäftigen wollte. Dass es mit Menschen zu tun haben müsste, war mir klar.“ Fürsattel fing nochmal von vorne an, studierte BWL an der neu gestarteten FH Ansbach und gründete parallel dazu eine Trainingsfirma. Er traf eine alte Schulfreundin wieder, heiratete sie und bekam in der Folge drei Kinder mit ihr.

Bildung beginnt mit Neugierde

„Durch meine Kinder rückte mir meine eigene Schulzeit wieder ins Gedächtnis. Frontalunterricht und Bulimie-Lernen, das war mir damals so gegen den Strich gegangen. Ich wollte, dass meine Kinder anders lernen dürfen, selbstbestimmt, mit Spaß und Neugierde“, so Fürsattel. Auf der Suche nach einer Grundschule lernte er Jenaplan kennen, ein reformpädagogisches Schulkonzept, bei dem es auch viel um Vertrauen geht. Vertrauen in die Fähigkeiten der Kinder, in ihre Eigenmotivation und darum, dass Selbstvertrauen dann entsteht, wenn man die Chance hat, sich ausprobieren zu dürfen und daran zu lernen.

„Ich war begeistert von dieser Idee und von der Entwicklung meiner Kinder auf der Jenaplan-Grundschule. Doch in Nürnberg gab es noch kein Jenaplan-Gymnasium, um diesen Weg fortzuführen. Da haben wir einfach die Ärmel hochgekrempelt und losgelegt“. Fürsattel gründete also mit einer Gruppe gleichgesinnter Eltern das Jenaplan Gymnasium Nürnberg eG, dessen Vorstand er heute nach wie vor ist. „Dort und als Dozent an der IU (Internationale Hochschule) für den Bereich Personalmanagement, darf ich täglich miterleben, zu welch großartigen Entwicklungen Kinder und Jugendliche in der Lage sind, wenn man ihnen Vertrauen schenkt“, erzählt er und die Begeisterung ist ihm sichtbar anzumerken.

Herzenssache: Persönliches Wachstum

Doch nicht nur Kinder dürfen täglich Neues dazulernen. Lebenslanges Lernen gehört längst zum Berufsalltag. „Menschen im Berufsleben dabei zu unterstützen, sich weiterzuentwickeln und persönlich zu wachsen, ist etwas, was mich seit 25 Jahren antreibt und erfüllt.“ Fürsattel gründete daher zusammen mit seinem kanadischen Freund und Mentor Gil Ostrander das Weiterbildungsunternehmen BEITRAINING® (BEI steht für Business Education International).

Sein erster Kunde war das RE/MAX-Immobiliennetzwerk, dessen erfolgreiche Expansion in Deutschland, Österreich und der Schweiz er mit maßgeschneiderten Trainingsmaßnahmen begleitete. Seitdem berät und unterstützt er, gemeinsam mit seinem Team, Kundenunternehmen verschiedener Branchen bei der Personalentwicklung. Neben Franchisefirmen liegt sein Fokus heute auf kleinen und mittelständischen Unternehmen, sowie deren Führungskräften und Mitarbeitern.

Autor aus Leidenschaft

Nachdem er seine Erfahrungen 2016 bereits in einem ersten Buch mit dem Titel „Mitarbeiter im Fokus“ festgehalten hatte, entstand die Idee zu seinem gerade erschienenen zweiten Buch aus einem Versprecher. „Auf einem meiner Vorträge habe ich den bekannten Spruch ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘ in umgekehrter Reihenfolge zitiert“, erzählt er schmunzelnd. „Dabei wurde mir bewusst, dass das meine Führungsphilosophie bestens beschreibt. Damit war der Grundstein zum Buch gelegt.“ Verpackt in einen Business-Roman schildert Fürsattel in „Die Vertrauensstrategie: Der erfolgreiche Weg zu einer modernen Führungskultur“, wie eine Unternehmertochter im Unternehmen ihres Vaters den Transformationsprozess hin zu einer vertrauensbasierten Führungskultur einleitet.

„Ich bin ein echter Familienmensch“, verrät Fürsattel noch am Ende. „Meine Frau und ich diskutieren mit unseren Kindern gerne über ‚Gott und die Welt‘ und genießen es, dass unsere Kinder uns das Vertrauen zurückschenken, das sie von uns erhalten“. Neugierig und offen möchte er auch bleiben und nutzt jede Gelegenheit, um auf ausgedehnten Reisen die Welt – und vor allem die Menschen – kennenzulernen.

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