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Cannabis-Legalisierung in Deutschland – Chancen, Potenziale und Risiken für Anleger

Wird Cannabis in Deutschland legalisiert, ergeben sich auch für Anleger neue Chancen und Möglichkeiten. Erfahre hier, wie sie aussehen können

Cannabis-Legalisierung in Deutschland – Chancen, Potenziale und Risiken für Anleger

Wird Cannabis in Deutschland legalisiert, ergeben sich auch für Anleger neue Chancen und Möglichkeiten. Erfahre hier, wie sie aussehen können

Wenngleich die kontrollierte Cannabis-Freigabe im Programm der Ampel-Koalition durch andere Prioritäten – vorrangig natürlich die Pandemie-Bekämpfung – auf die hinteren Plätze der Agenda gerutscht ist, wird das Thema früher oder später auf den Tisch kommen. Zwar rechnen so manche Beobachter erst 2024 mit einem ausgearbeiteten Gesetzesentwurf, doch schon jetzt stehen etliche Marktteilnehmer in den Startlöchern. Ein Grund mehr, den Blick auf das Thema Cannabis-Legalisierung und dessen wirtschaftliche Potenziale zu werfen.  

Cannabis als Genussmittel – Pro und Contra im Gegenlicht

Die Argumente für eine Legalisierung dürften selbst dem hartgesottensten Gegner einer progressiven Drogenpolitik einleuchtend erscheinen. Die „kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizensierten Geschäften“, wie es im Koalitionsvertrag heißt, würde den Schwarzmarkt bekämpfen, die Gefahr von gestrecktem Cannabis reduzieren und auch die Polizei deutlich entlasten – ganz abgesehen von den vielen Aspekten zur Verbesserung des Jugendschutzes, die eine Enttabuisierung der Droge mit sich bringen würde. Ganz nebenbei wäre mit Steuereinnahmen in Milliardenhöhe zu rechnen, wenn man den Prognosen des Deutschen Hanfverbandes Glauben schenkt.

Ohne Frage, dem stehen ebenso berechtigte Argumente entgegen. So beispielsweise die gesundheitlichen Gefahren durch Psychosen oder Schädigungen des Nervensystems, aber auch die Suchtproblematik und Atemwegserkrankungen sind dabei zu nennen – summa summarum also jene Argumente, die in den letzten Jahren als Konter aus Kreisen der Union in die Öffentlichkeit getragen wurden. Cannabis sei die Einstiegsdroge schlechthin!

© Victor Moussa / stock.adobe.com

Und ja, an diesen Argumenten ist grundsätzlich nicht zu rütteln, doch stehen diese Contras schon lange in der Kritik, als zu „vereinfacht“ dargestellt zu werden. Zumal die Gefahren durch legale Drogen wie Alkohol nach wie vor in der Öffentlichkeit marginalisiert werden. Das Anlegen von zwei derart unterschiedlichen Maßstäben erscheint gerade bei diesem prominenten Vergleich schlicht und einfach unzeitgemäß zu sein. Zum Veranschaulichen: Während jährlich 74.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Alkoholkonsums sterben (weltweit ca. 3 Millionen Todesfälle), sind so gut wie keine direkten Todesfälle in Verbindung mit Cannabis-Konsum bekannt. Kaum zu glauben? Einfach googlen!

Nackte Zahlen zum Cannabis-Konsum

Nach aktuellen Berichten kam bereits jeder zehnte Jugendliche unter 18 Jahren schon einmal mit dem Rauschmittel Cannabis in Kontakt, in der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren sogar beinahe jeder Zweite. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit auf Platz Fünf hinter Frankreich und Dänemark. Mindestens vier Millionen Deutsche können zu den gelegentlichen Konsumenten gezählt werden. Schätzungsweise 600.000 Menschen konsumieren regelmäßig. Damit gehört Cannabis hierzulande zu den am meisten illegal gehandelten Drogen – 10 Prozent aller Drogendelikte stehen in Zusammenhang mit dem Rauschgift.

Ein ungeahnter Markt tut sich auf

Auf Basis bestehender Analysen (jährlich konsumierte Menge von ca. 400 Tonnen) würde Deutschland bei einer kontrollierten Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum zu einem der größten Cannabismärkte weltweit werden – vergleichbar etwa mit dem kalifornischen Markt. Einschätzungen zufolge ließen sich innerhalb der Cannabis-Industrie über 27.000 zusätzliche Stellen schaffen.

Vor allem jene Unternehmen, die bereits seit mehreren Jahren im weltweiten Cannabis-Markt mitmischen, wittern nach der Ansage der Ampel-Regierung ihre große Chance. Dazu gehören die kanadischen Cannabis-Produzenten Tilray und Aurora, die ihr Produkt schon seit 2017 in Deutschland für medizinische Zwecke vertreiben dürfen und den erfolgreichen Börsengang bereits hinter sich haben. Das deutsche Unternehmen Demecan baut bereits in der Bundesrepublik an, ist aber noch nicht börsennotiert. Tilray beschäftigt weltweit rund 2.000 Mitarbeiter, einige davon auch am deutschen Standort in Neumünster. Cannabis, grown in Germany, ist schon jetzt die Realität.

Sollte der Verkauf von Cannabis über zertifizierte Abgeber (primär sind hier Apotheken angedacht) möglich werden, muss die Bundesregierung selbstverständlich ein genaues Auge auf die Preisentwicklung werfen. Bisher ist eine staatliche Preiskontrolle nicht geplant. Vor allem darf der Preis aber nicht höher ausfallen als am Schwarzmarkt. Dieser Aspekt muss bei der Versteuerung dringend beachtet werden. Eine enge Zusammenarbeit von Politik und Herstellern ist also das A und O, da längerfristige Erfolge gegen den kriminalisierten Drogenhandel sonst nicht erreichbar sind.

Cannabis-Aktien – Stabiles High oder Rauch um Nichts?

© APHIRAK / stock.adobe.com

Wer als Anleger in das große Cannabis-Geschäft der Zukunft einsteigen will, sollte sich dennoch mit den Gepflogenheiten eines risikoreichen Wagniskapitalbereichs vertraut machen. Oder wie FOCUS Online treffend resümiert: „Die Aktien von Tilray sind […] nichts für schwache Nerven.“ Starke Schwankungen, angetrieben durch politische Entscheidungen, sind keine Seltenheit. Investitionen sollten immer unter Berücksichtigung einer längerfristigen Perspektive getätigt werden. Experten raten deshalb auch zu einer größeren Diversifikation der Anlagen und einer genauen Beobachtung der globalen, politischen Legalisierungsentscheidungen – nicht nur in Deutschland.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich festhalten: Anleger mit Sicherheitsanspruch sollten zunächst wohl eher nicht investieren. Wer mit mehr Risiko spekuliert, könnte aber schon bald belohnt werden. So sind starke Schwankungen bei noch jüngeren Branchen schließlich nichts Ungewöhnliches. Während die Aktie des Unternehmens Aurora 2018 nach größerem Hype ohne Mühe auf 109 Euro geklettert ist, bewegt sich der Kurs aktuell zwischen drei und vier Euro. Bis es in Deutschland so weit ist, könnten Investitionen auf US-amerikanischem oder kanadischem Boden eventuell ein vorsichtiges Herantasten ermöglichen.

Steine auf dem Weg zur Cannabis-Legalisierung in Deutschland

Ganz so einfach lassen sich die Pläne der Regierung aus SPD, Grüne und FDP wohl trotzdem nicht realisieren, denn rechtlich gesehen sind in Deutschland etliche Hürden zu meistern. Da wären zunächst jene Tücken zu nennen, die sich aus der UNO-Mitgliedschaft Deutschlands ergeben. So hat die Bundesrepublik vor vielen Jahren die Single Convention on Narcotic Drugs unterschrieben, die eine Legalisierung von Cannabis eigentlich verbietet. Zwar ist anderen Staaten wie Kanada, die ebenfalls unterzeichnet haben, das Abkommen herzlich egal, doch wird Deutschland einen solchen Weg nach Einschätzung von Experten nicht gehen.

Die einzige Möglichkeit wäre also ein Austritt aus dem Abkommen und dafür muss ein Gesetzesentwurf auf den Tisch von Bundestag und Bundesrat. Ebenso wären Import-, Exportgeschäfte innerhalb der EU mit Schwierigkeiten verbunden, schließlich ist Cannabis nur in einzelnen Mitgliedstaaten entkriminalisiert. Ein Alleingang wird also holprig und eventuell sogar nur durch heimische Produktion zu bewältigen sein.

Die Zeit drängt

Viele Richter und große Teile der Polizei, die sich in den letzten Jahren mit Kleinstdelikten geplagt haben, begrüßen die Entscheidung zur Illegalisierung. Dennoch sollten alle Schritte der Bundesregierung sorgsam geplant sein. Im Koalitionsvertrag der Ampel heißt es ohnehin, dass die kontrollierte Freigabe von Cannabis vier Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes auf seine Umsetzung geprüft und der Status Quo bewertet werden muss. Ebenfalls zu begrüßen sind in dem Zusammenhang auch die angedachten Verschärfungen zu Marketing und Sponsoring. Und dann auch nicht nur für Cannabis, sondern ebenso für Alkohol und Nikotin.

Viel Zeit für all das bleibt nicht: Ca. 175 Tage dauert ein Gesetzgebungsverfahren in Deutschland. Wenn das Gesetz also innerhalb der Legislaturperiode durchgebracht werden und ein umfangreicheres Monitoring erfolgen soll, muss das Thema möglichst schon im Frühjahr 2022 ins Parlament. Bis dahin heißt es also: Abwarten und Joints drehen… pardon, Tee trinken.

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Friedrich Fackelmann

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