Homeoffice… kann jeder!?

von Nicole Burkhardt

Aber kann es auch jeder gut oder eher befriedigend oder schlecht? Der Traum von Homeoffice mit Selbstbestimmung und freier Zeiteinteilung hat auch ein zweites Gesicht. Es erfordert Selbstdisziplin auf ganz hohem Niveau, um auch von zuhause aus, die Arbeit zu leisten, wie im Büro. Auch für den Arbeitgeber gibt es positive und negative Seiten, wenn die Mitarbeiter von zuhause arbeiten.

Homeoffice – was bedeutet das eigentlich? Wie der Name schon sagt, das Arbeiten von zuhause und das beinhaltet alle Aufgaben und Tätigkeiten, die auch im Büro sorgfältig und pünktlich erledigt werden müssen.

Globalisierung, Digitalisierung und sicher auch die Work-Life-Balance setzten Arbeitgeber immer mehr unter Druck, flexible Arbeitsmodelle anzubieten. Und auch wenn die neue Form des flexiblen Arbeitens Unternehmen für die bestehenden Mitarbeiter und die neue aufstrebende Generation attraktiver macht, ging dieser Wandlungsprozess in Firmen leider nur sehr schleppend voran.

Die Corona-Pandemie schubste nun die Unternehmer in eine neue Zeit. Ohne Homeoffice wären die wirtschaftlichen Auswirkungen sicher noch katastrophaler ausgegangen und nun, 1,5 Jahre später, gehört das Arbeiten aus dem Büro zuhause zum New Normal. Und noch immer dürfen ca. 35 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland ihre Tätigkeit im flexiblen Homeoffice ausüben. Diese Zahl kann sogar noch erhöht werden. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung wies daraufhin, dass ca. 50 Prozent aller Jobs von zuhause ausgeführt werden können.

Flexible Arbeitsmodelle im New Normal

Neben Homeoffice gibt es auch die weiteren Arbeitsmodelle Heimarbeit und remote work. Schauen wir uns kurz diese Möglichkeiten genauer an:

Heimarbeit, ist eine Tätigkeit, die man in den eigenen vier Wänden ausüben kann. Sie ist nicht an einen Arbeitgeber gebunden, wie zum Beispiel bei Freelancern.

Homeoffice gilt für alle, die in einem Unternehmen angestellt sind und vom Arbeitgeber die Erlaubnis erhalten, von zuhause zu arbeiten.

Und zu guter Letzt steht auch das hybride Arbeiten hoch im Kurs. Es ermöglicht den Mitarbeitern den flexiblen Wechsel zwischen Büro und dem Homeoffice. Durch remote work wird das Arbeiten noch variabler gestaltet – ortsunabhängig kann die Zeit auch im Zug, in einem Café und sogar in einem anderen Land optimal genutzt werden.

1,5 Jahre konnte nun das Thema Homeoffice intensiv erprobt werden. Spezialisten, Experten, Psychologen nahmen die Auswirkungen für das Unternehmen, den Chef und die Mitarbeiter aus vielen verschiedenen Gesichtspunkten genau unter die Lupe. Die wichtigsten Vor- und Nachteile von Homeoffice für Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden im Folgenden kurz dargestellt.

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Durch die rosarote Brille gesehen freuen sich durch Homeoffice viele Mitarbeiter auf flexible Arbeitszeiten und Selbstbestimmung. Aber damit das tatsächlich funktionieren kann, braucht jeder Selbstdisziplin, um die Aufgaben, also seinen Job, perfekt zu erledigen und pünktlich zu liefern. Zusätzlich ist Selbstdisziplin ein Muss, um für sich selbst den Feierabend zu finden und nicht noch mehr Überstunden aufzubauen.

Was viele unterschätzen ist der Arbeitsplatz, den die meisten zuhause bisher nicht eingeplant haben. Natürlich ist der Arbeitgeber für die technische Ausstattung verantwortlich, aber er kann nicht aus einer 2-Zimmer-Wohnung eine 3-Zimmer-Wohnung und somit einen Platz für das Büro zaubern. Meist muss dann der Esstisch herhalten. Die Probleme an diesem Arbeitsplatz liegen auf der Hand: schlechte Sitzposition, Akten, die herumflattern und nicht sicher sind vor der Tasse Kaffee, den Kindern oder dem Hund.

Produktivitätssteigerung vs. Kontrollverlust

Gibt es auch eine rosarote Brille für den Arbeitgeber? Viele haben sich bisher skeptisch zum Thema Homeoffice geäußert. Immerhin verliert man die Kontrolle über die Aufgaben und die Leistungen des einzelnen. Absprachen sind schwieriger und manchmal macht es der Chef eben selbst, bevor er zeitraubend alle wichtigen Informationen versenden und dann noch in einem Videocall erklären muss.

Der Kostenfaktor ist auch ein wichtiger Punkt. Auf der einen Seite werden Betriebskosten im Büro gespart. Immerhin bleiben die Computer aus, die Kaffeemaschine wird nicht mehr benutzt und Licht braucht auch keiner. Auf der anderen Seite steht der enorme Kostenbrocken, alle Mitarbeiter perfekt auszurüsten, damit sie von zuhause ihre Projekte so gut wie im Büro abarbeiten können. Dazu gehören nicht nur Bildschirme und Laptops für das flexible Arbeiten, auch neue, besonders sichere Server und Schnittstellen für den Zugriff auf das Firmennetzwerk oder notwendige Daten kosten ihr Geld. Und das nicht zu wenig. Über kostenpflichtige Software muss auch die Kommunikation der Mitarbeiter und Kollegen gewährleistet werden.

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Aber ja, es gibt auch einen sehr positiven Punkt für das Unternehmen. Es kristallisieren sich die guten, die effektiven und die wertvollen Mitarbeiter heraus. Sie sind diejenigen, die nun ungestört arbeiten können und ihre Effektivität, Qualität und Quantität überraschend steigern und zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Um Homeoffice als Alternative zu herkömmlichen Arbeitsmodellen zu bieten, sollten alle Vor- und Nachteile kurz und knapp näher beleuchtet werden.

Vorteile im Überblick

Mehr Freizeit und Freiheit und dennoch acht Stunden arbeiten – geht nicht? Geht doch. Denn durch das Arbeiten zuhause entfällt zum Beispiel der Weg zur Arbeit und wieder zurück. Für viele, vor allem in Großstädten, kann das am Tag schon locker eine Stunde einsparen und die Freizeit verlängern.

Ein großer Pluspunkt ist die Selbstständigkeit oder besser gesagt, das selbstständige Eintakten der eigenen Arbeit. Viele Unternehmen setzen eine Kernarbeitszeit, d.h. der Arbeitnehmer ist flexibel, wann er mit seinem Arbeitstag beginnt und wann er den Feierabend einläutet, solange er in der vorher definierten Zeit erreichbar ist. Die Planung von privaten Terminen fällt so bedeutend leichter.

Mehr Produktivität des Arbeitnehmers muss auf jeden Fall auf der Liste der Vorteile stehen. Ohne Ablenkung, wie Gespräche mit den Kollegen, das störende Telefon und viele andere Faktoren, kann der Mitarbeiter Höchstleistungen vollbringen.

Der Kostenfaktor kann ein Vorteil sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber sein. Der Arbeitnehmer spart Benzinkosten oder das Bahnticket. Der Arbeitgeber hingegen verringert seine laufenden Nebenkosten oder sogar die Büromiete.

Das flexible Arbeitsmodell bietet vor allem Eltern oder Alleinerziehenden bessere Möglichkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Nach so einer langen Liste an Vorteilen darf man auch die Nachteile nicht aus den Augen verlieren.

Nachteile kurz und bündig

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Die sozialen Kontakte am Morgen beim Bäcker, der kleine Plausch mit den Kollegen oder der Drink nach der Arbeit fallen weg. Auf der einen Seite steigert es die Produktivität, auf der anderen Seite steht die Vereinsamung. Der psychologische Aspekt sollte nicht unterschätzt werden.

Das Gespräch mit den Kollegen war auch eine gute Informationsquelle, die „schnell“ jeden auf dem Laufenden hielt. Im Homeoffice überlegt man länger, wegen welchen Informationen man ein digitales Meeting startet oder den Telefonhörer in die Hand nimmt.

Und wieder kommen wir zum Punkt Selbstdisziplin – immerhin muss der Job erledigt werden. Ablenkungen wie die Hausarbeit muss jeder selbst konsequent hintenanstellen.

Eine Unterstützung der Selbstdisziplin ist auch die Selbstmotivation. Dabei hilft der regelmäßige Kontakt zu Kollegen und der Unternehmensleitung, um auch die Identifikation mit dem Unternehmen nicht zu verlieren und mit ihr die Motivation für seine Tätigkeit.

Ein sehr wichtiger Punkt ist die Karriere. Oftmals werden Mitarbeiter, die im Büro präsent sind und auch ein gutes persönliches Verhältnis zum Chef und den Kollegen pflegen, schneller befördert. Hybrides Arbeiten ist dafür eine Alternative.

Bleibt unter dem Strich nur die Frage: Homeoffice – ja oder nein?

Jeder Mitarbeiter und jedes Unternehmen muss für sich selbst den richtigen Weg finden. Homeoffice oder hybrides Arbeiten gelten als neue gewinnbringende und flexible Arbeitsmodelle, die den klassischen Bürojob auf lange Sicht ablösen werden und das Unternehmen für die neue Generation zu einem attraktiven Arbeitgeber macht.

Arbeitnehmer müssen für sich selbst festlegen, was ihnen wichtig ist. Dabei sollten sie immer hinterfragen, ob sie selbstdiszipliniert und motiviert arbeiten können und nicht auf dem Abstellgleis landen. Dann ist das selbstständige Arbeiten die ideale Möglichkeit, mehr Freiheit und Freizeit im Alltag zu gewinnen.

Arbeitgebern stellt sich die Vertrauensfrage. Sensible Daten und Kundenkommunikation verlassen das sichere Büro und auch wenn die Schnittstellen im Rahmen der Digitalisierung Cyberangriffen standhalten, muss das Vertrauen zum Arbeitnehmer vorhanden sein. Auch nicht zuletzt das Vertrauen, dass die anfallenden Jobs professionell abgewickelt werden.

Der Erfolg des Unternehmens und das Wohlergehen des Einzelnen dürfen nicht unter den möglichen Arbeitsmodellen leiden. So findet jeder seinen richtigen Weg im New Normal.

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