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Metaverse im Mittelstand – virtueller Traum oder reale Chance?

In Tech-Konzernen und Startups wird Metaverse heiß gehandelt. Doch wie sieht es im deutschen Mittelstand aus? Welche Chancen bietet das Metaversum?
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Metaverse im Mittelstand – virtueller Traum oder reale Chance?

In Tech-Konzernen und Startups wird Metaverse heiß gehandelt. Doch wie sieht es im deutschen Mittelstand aus? Welche Chancen bietet das Metaversum?

Ist das Metaverse eine Umgebung, in der wir bald leben, arbeiten und Geschäfte abschließen können? Für welche Bereiche ist Metaverse besonders interessant? Eines ist jetzt schon sicher: Das Metaverse hat Potenzial, das Internet und damit auch ganze Geschäftsmodelle zu revolutionieren.

Metaverse – kurz erklärt

Zurecht fragen sich viele, was das Metaverse überhaupt ist. Eine eindeutige Definition für das „Metaversum“, wie es auch genannt wird, gestaltet sich schwierig – dennoch versuchen wir es: Das Metaverse ist eine Art Netzwerk oder digitaler Raum, in dem Nutzer ohne Medienbrüche von einem virtuellen Erlebnis zum anderen übergehen können. Online einkaufen, an Meetings teilnehmen, Veranstaltungen streamen, mit Menschen interagieren – und das, ohne eine Anwendung verlassen und wechseln zu müssen. In einer 3D-Welt, in der Sie sich als Ihr eigener Avatar bewegen können. Wie genau die Infrastruktur und die Schnittstellen aussehen, die das möglich machen sollen, ist noch nicht definiert.

Das Metaverse ist kein grundsätzlich neues Konzept. Virtuelle Welten kennen wir vor allem durch Videospiele. Das Metaverse schafft jedoch die Verbindung der virtuellen Welt mit der physischen und bezieht auch die erweiterte Realität (Augmented Reality) mit ein. Wir können uns also diese vereinfachende Gleichung merken:

Metaverse =

Reality + Virtual Reality (VR) + Augmented Reality (AR)

Wie realistisch sind Metaverse-Szenarien in naher Zukunft?

Beim zugegebenermaßen missglückten Launch von Mark Zuckerbergs Horizon Worlds Ende 2021 konnte die ganze Welt das erste Mal sehen, wie ein komplexes Metaversum aussehen kann. Optisch war es wahrlich kein Meisterwerk. Technologisch aber durchaus ein Meilenstein – inklusive Baustellen, die noch lange nicht fertig sind. Der Aufbau von Metaverse-Welten ist theoretisch bereits möglich. Es gibt aber noch Fragen, die geklärt werden müssen.

Herausforderungen in der virtuellen Welt

Bevor das Metaverse zu einem Meilenstein in der Praxis werden kann, gilt es, Stolpersteine aus dem Weg zu räumen. Diese sind einerseits technologischer und andererseits gesellschaftlicher Art.

Politik und Unternehmen müssen die Voraussetzungen für eine geeignete Technologie-Infrastruktur schaffen. Erst wenn 5G-Netz und VR-Technologien Standard sind, kann eine funktionierende 3D-Welt umgesetzt werden. Aktuell ist dies nicht der Fall und wird wahrscheinlich noch ein paar Jahre dauern.

Der andere Stolperstein ist mindestens genauso komplex. Es geht um die Anonymität in der virtuellen Welt, die schon seit Beginn des Internets ein fruchtbarer Boden für zwischenmenschliche Konflikte und Ausgrenzung ist. Hatespeech, Mobbing im Netz, Rassismus und Sexismus können sich auf manchen Plattformen ungebremst ausbreiten, weil viele digitale Räume noch keinen effektiven Schutz dagegen bieten. Da ein Metaverse-Nutzer sich künftig mit seinem Avatar durch riesige Welten bewegen wird, müssen Unternehmen an guten Lösungen arbeiten, die ihre Nutzer vor Trollen und Hassattacken schützen.

Welche Anwendungsmöglichkeiten sind für Unternehmen denkbar?

Bei all den Problemen, die noch gelöst werden müssen, ist das Potenzial, das von Metaverse ausgeht, gigantisch. Unternehmen können in Zukunft massiv von den Vorteilen der virtuellen Welten profitieren.

Sowohl Großkonzerne als auch mittelständische und kleine Unternehmen können durch den Einsatz von VR- und AR-Technologien effektiv Kosten einsparen. Ein Maschinenhersteller beispielsweise kann seinen Kunden Prototypen in erster Linie digital präsentieren und seine Material-, Personal- und Energiekosten enorm reduzieren. Die dafür notwendigen Tools werden in Zukunft immer günstiger und einfacher.

Für das Marketing von Produkten, Dienstleistungen und Personen bietet das Metaverse ganz neue Kundenerlebnisse, die vorher nur in der realen Welt möglich waren. Menschen können Produkte und Erlebniswelten dreidimensional viel intensiver wahrnehmen und besser verstehen. Dies wird die Art und Weise, wie Kunden digital einkaufen, radikal verändern. Wer diese Vorteile zuerst nutzt, kann schnell Marktführer werden.

Branchen wie der Immobilienhandel, Möbel- und Küchenhäuser sowie allgemein Verkaufsräume werden durch den Einsatz von digitalen Showrooms die klaren Profiteure sein. Aber auch in der Produktion, der Logistik und der Dienstleistung gibt es Potenzial für unzählige Anwendungsbeispiele.

Überall dort, wo Kommunikation und Interaktion für Kunden immer wichtiger wird, kann das Metaverse durch realistische Welten und Funktionen neue Kundenerlebnisse schaffen und das Kundenservice-Niveau stark anheben.

Was sagt der Mittelstand zu Metaverse?

Welche Meinung vertreten die mittelständischen Unternehmen aktuell zum Thema Metaverse? Die Markenagentur wirDesign und das Online-Marktforschungsunternehmen Civey haben im August 2022 genauer nachgefragt. Ihre Umfrage mit 500 C-Level-Entscheidern aus dem deutschen Mittelstand brachte eher nüchterne Ergebnisse hervor.

Etwa ein Viertel alle Befragten gab an, dass sie bereits Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) für Produktentwicklung und Schulungen nutzen, weitere 25 % gaben Marketing, Vertrieb und Events als Einsatzzweck an. Fast die Hälfte aller Umfrage-Teilnehmer kann mit VR und AR noch gar nichts anfangen. Nur 22 % glauben, dass die Nutzung des Metaverse den Ruf ihres Unternehmens beeinflussen kann. Der Bezug zu den einzelnen Technologien wie VR und AR ist in der Wahrnehmung des Mittelstands also stärker vorhanden als zu dem noch abstrakten Übergriff Metaverse.

Bei einer anderen Civey-Umfrage aus dem letzten Jahr gaben Entscheider aus dem Mittelstand an, dass Metaverse als Teil der eigenen Unternehmens- und Marketingstrategie unwichtig sei (mehr als 50 %), etwa ein Drittel ist noch unentschieden und nur 14 % der Befragten geht davon aus, dass Metaverse für sie relevant werden wird.

Fazit

In Anbetracht der vielen Anwendungsmöglichkeiten und Chancen zur Kostenreduzierung sollten sich mittelständische Unternehmen dringend mit dem Thema auseinandersetzen und ihre individuellen Chancen prüfen. Auch wenn das Metaverse heute relativ abstrakt wirkt und die Technologie noch nicht für den großflächigen Einsatz zur Verfügung steht: Lange wird es nicht mehr dauern, bis digitale Showrooms, virtuelle Produktpräsentationen und online Events zu unserem Alltag gehören.

Selbst virtuelle Restaurants, in denen sich Gäste wie in einem Videospiel zum Essen verabreden können, sind bereits in Planung. Das Essen soll den Kunden dann einfach bequem nach Hause geliefert werden – nahezu echtes Restaurant-Erlebnis mit VR-Brille inklusive. McDonald’s hat sich hierfür schon Markenrechte gesichert.

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Nick Gretzinger

Nick Gretzinger

smic! Events & Marketing | Nick versteht es, eine feinsinnige Portion Humor in seine fabelhaft recherchierten Texte zu packen. Wer seine Texte liest, muss sicher mehr als ein Mal schmunzeln und hat mit dem letzten gelesenen Wort das Gefühl, nicht nur sehr gut informiert, sondern auch wunderbar unterhalten worden zu sein.
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