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Fake Work: Wenn Arbeit nur nach Arbeit aussieht – aber nichts bringt

© stock.adobe.com/Banu Sevim

Fake Work: Wenn Arbeit nur nach Arbeit aussieht – aber nichts bringt

8,7 Stunden – so viel Zeit verlieren Angestellte in Deutschland laut einer Studie des Jobportals stepstone aus dem letzten Jahr durchschnittlich pro Woche mit Aufgaben, die wenig bis gar nichts zur Produktivität beitragen – im Gegenteil. Diese Tätigkeiten fallen unter den Begriff „Fake Work“: Sie sehen nach Arbeit aus, fühlen sich geschäftig an, schaffen aber keinen echten Mehrwert. Ein ganzer Arbeitstag – jede Woche! Doch woran liegt das? Und wie könnten Unternehmen bzw. Führungskräfte gegensteuern?

Die größten Zeitfresser: Prozesse, Meetings, Unterbrechungen

Ob zu viele oder zu lange Meetings, komplexe Prozesse und Abstimmungsprozesse oder ständige Unterbrechungen – es scheint, als würden Unternehmen ihren Mitarbeitenden eher Steine als Tools in den Weg legen, wenn es um die Arbeitseffizienz geht. Das Resultat: Fake Work statt echter Leistung.

Laut einer Studie der Stepstone Group sehen 58 Prozent der Befragten vor allem ineffiziente Arbeitsabläufe als Produktivitätskiller und Zeiträuber Nummer eins. Das Problem dabei: Die Auswirkungen kosten nicht nur Geld, sondern auch Talente. Denn wer regelmäßig das Gefühl hat, seine Zeit zu verschwenden, verliert nicht nur seine Motivation, sondern auch das Vertrauen ins Unternehmen. Fast die Hälfte der Befragten denkt laut Stepstone über einen Jobwechsel nach, weil sie ihre Fähigkeiten nicht sinnvoll einsetzen können. Die Folge: Quiet quitting und eine hohe Wechselbereitschaft, die Unternehmen sich eigentlich nicht leisten können.

Meetings neu denken: Wie Sie Besprechungen effizienter gestalten

Besprechungen sind wichtig. Aber: Müssen wirklich alle dabei sein? Muss das Meeting wirklich eine Stunde dauern – oder werden sie dann ganz schnell zu Fake Work? Würde auch ein kurzes Update reichen?

Einige Unternehmen denken inzwischen radikal um: Shopify hat kurzerhand tausende Meetings gestrichen und rechnet nun aus, wie teuer jedes neue ist. Das Resultat: Hunderttausende Stunden wurden plötzlich wieder für echte Arbeit frei. Klingt extrem? Vielleicht. Aber vielleicht ist genau das der Weckruf, den viele Unternehmen brauchen.

Auch kleinere Maßnahmen wirken:

  • Meeting-Budgets pro Teammitglied
  • regelmäßige Meeting-Audits, wie sie von New-Work-Experten empfohlen werden
  • klare Zieldefinition für jede Sitzung

Die Devise: Besprechungen nicht abschaffen – aber bewusst gestalten.

Führungsfehler vermeiden: Warum klare Kommunikation entscheidend ist

Ein weiteres zentrales Problem: Führung ohne Klartext. Viele Mitarbeitende wünschen sich laut Studie klarere Ansagen von ihren Führungskräften – kein „man müsste mal“, sondern ein konkretes „Sie übernehmen diese Aufgabe bis Freitag, Ziel ist XYZ“. Klingt simpel? Ist es auch. Und dennoch scheitert es in vielen Teams genau daran.Gute Führung ist kein Bauchgefühl. Sie braucht Struktur, Empathie – und manchmal auch einen Kommunikationskurs. HR-Abteilungen sollten daher nicht nur auf Soft-Skills bei Neueinstellungen achten, sondern auch bestehende Führungskräfte aktiv fördern.

So geht digitale Effizienz: Automatisierung nutzen, Ablenkung minimieren

Die Automatisierung kann vieles erleichtern – von wiederkehrenden Aufgaben bis hin zur Datenpflege. Bis zu 8 Stunden pro Woche könnten laut Digital Maturity Report allein durch Automatisierung eingespart werden. Doch mit jedem neuen Tool steigt auch die Gefahr der digitalen Ablenkung: Notifications, E-Mails, Chatnachrichten – willkommen im Multitasking-Wahnsinn.

Was hilft:

  • Fokussierte Zeitfenster für Tiefenarbeit
  • „Do-not-disturb“-Zeiten
  • Klare Regeln für die digitale Kommunikation im Team

So wird Digitalisierung zur Entlastung – und nicht zur weiteren Ablenkung.

Zeit ist Geld – und Zukunft

Der demografische Wandel macht klar: Wir können es uns schlicht nicht leisten, mit Zeit so sorglos umzugehen. Unternehmen, die jetzt Prozesse vereinfachen, Talente gezielter einsetzen und Führung neu denken, haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch in der Arbeitszufriedenheit – und damit der Produktivität.

Fazit: Weniger verschwenden, mehr gestalten

Zeitverschwendung im Unternehmen ist kein individuelles Problem – es ist ein strukturelles. Aber eines, das sich lösen lässt. Mit kluger Führung, weniger Meetings, sinnvoller Automatisierung und einer Prise Mut zur Veränderung.

Denn wer heute überflüssige Aufgaben streicht, schafft morgen Raum für echte Leistung – und verabschiedet sich damit Schritt für Schritt von der Fake-Work-Falle. Wie effizient ist Ihr Unternehmen?
Machen Sie den Selbstcheck: Wo verlieren Ihre Teams Zeit – und was könnten Sie morgen anders machen?

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Tajana Schultz

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